Dienstag, 3. Januar 2012

„Schenkelklopfer“ nicht Maß aller Dinge

von Wolfgang Malzahn (3. Januar 2012)

Die Arbeitsgemeinschaft Ostfriesischer Volkstheater bereitet ihre 30-Jahr-Feier vor. Der Zusammenschluss plattdeutscher Bühnen ist für den langjährigen Vorsitzenden Jakob Janshen eine Erfolgsgeschichte. Er möchte die Ensembles jedoch raus aus der reinen Klamauk-Ecke holen.

Eine Gemeinschaftsproduktion der ostfriesischen Bühnen war zum Ende letzten Jahres das gleichermaßen beeindruckende wie erfolgreiche Schauspiel „De Schippers van Timmel“.

Ostfriesland - Wer an plattdeutsches Theater denkt, dem kommen unwillkürlich Heidi Kabel und Henry Vahl vom Hamburger Ohnsorg-Theater in den Sinn. Die beiden Vollblut-Komödianten haben durch die Fernsehübertragungen über Jahrzehnte das Bild des typischen, niederdeutschen Lustspiels geprägt. Dabei können die Ostfriesen durchaus auch auf eine einzigartige Erfolgsgeschichte in Sachen Bühne verweisen: In diesem Jahr feiert die Arbeitsgemeinschaft Ostfriesischer Volkstheater, der 50 Bühnen angehören, ihr 30-jähriges Bestehen.

„Wir haben am 18. Januar Vorstandssitzung und werden dabei unser Jubiläumstreffen Mitte Mai im Rathaus Ihrhove vorbereiten“, berichtete der langjährige Vorsitzende Jakob Janshen auf Nachfrage des GA. Welche Bedeutung dieser Zusammenschluss von Laienbühnen hat, kann Janshen mit Zahlen belegen: „Im Winterhalbjahr haben wir jeweils 60 000 bis 65 000 Zuschauer – mit wachsender Tendenz.“

Zwischen Wirdum und Wittmund, zwischen Transvaal und Timmel haben Laienspieler in den vergangenen Wochen geprobt, um ihre Zuschauer zumeist mit Komödien oder Schwänken zu erfreuen.

Aber man müsse wegkommen von den reinen „Schenkelklopfern“

Gegen diesen Trend hat auch Jakob Janshen nichts, der seit 1978 in Oldersum Regie führt: „Komödien sind gefragt, und ein Theaterstück darf auch ruhig lustig sein, sollte aber immer einen vernünftigen Hintergrund haben.“ Aber man müsse wegkommen von den reinen „Schenkelklopfern“, fordert Janshen: „Wenn sich die Pointen, die zu Lachern führen, in jedem Stück wiederfinden, dann kann man das besser machen. Plattdeutsches Theater sollte nicht in der Klamauk-Ecke hängenbleiben.“ Als Beispiel führt der Vorsitzende die Gemeinschaftsproduktion „De Schippers van Timmel“ an, bei der ein ernstes Thema, vielseitig und professionell aufgearbeitet, im November einen riesigen Zuschauerzuspruch erlebte.

Das allerdings setze voraus, dass die in der Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossenen Bühnen weiter an der Qualität ihrer Aufführungen arbeiten. So gibt es seit Bestehen der Arbeitsgemeinschaft regelmäßige Schulungen – für Regie, Maske, Technik, Bühnenbau und Kostüme. „Da lernen die Leute das Handwerk“, ist Janshen überzeugt.

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