Freitag, 28. Oktober 2011

Zeitungsbericht: "De Schippers van Timmel"

Timmel: Emotionsgeladene Wucht historischen Geschehens

Premiere von „De Schippers van Timmel“ – Perfekte Logistik, grandiose Kulisse – Stehende Ovationen für hundertköpfiges Ensemble 


gg Thema und Inhalt sind bekannt. In einer beispiellosen Werbekampagne haben die Timmeler in den Regionalzeitungen auf ihr Historienspektakel „De Schippers van Timmel“ aufmerksam gemacht. Nun, es genügt nicht, die Butter anzupreisen, sie muss dann auch schmecken. Sie tat es! Spätestens seit dem geschichtsbeladenen „Smacht“ der Hatshauser/Ayenwoldmer (2009) hat plattdeutsches Schauspiel neue Dimensionen eröffnet, weit entfernt vom schwerhörigen Opa und der klatschsüchtigen Nachbarin. Jetzt legten die Timmeler noch einmal nach.

Wir erinnern uns: Napoleonische Besatzer in Ostfriesland, Pressung von Kanonenbootbesatzungen, um die Kontinentalsperre durchzusetzen, Widerstand der Timmeler Schiffer, Niederknüppelung, Prozess, Erschießungen, Bagnostrafen. Können Laienspieler diese Wucht epochaler Ereignisse umsetzen und an Seichteres gewöhntes Publikum mitnehmen in dieses fürchterliche Jahr 1811?

Sie können! Rund 100 historisch korrekt gewandete Spieler, zusammengetrommelt unter den Besten der ostfriesischen Laienbühnen, etwa 150 Zuarbeiter vom - bleiben wir französisch - Requisiteur bis zum Fourageur, Reiter und Gespanne, 65 Meter Kulisse über die ganze Breite der Großen Halle des RTC - die Logistik steht dem emotionsgeladenen Spiel in nichts nach.

Es gibt Figuren, die immer mal wieder auftauchen, dem Schauspiel historisch korrekte Flankenhilfe geben und es vorantreiben. Zum Beispiel Landschaftssekretär und Geschichtsschreiber Tilemann Dothias Wiarda oder Dr. Jhering aus der Familie des Fehngründers und des berühmten Juristen, den in Aurich residierenden Präfekten Janesson oder den Bürgermeister Onneken, einen aalglatten Kollaborateur. Und es gibt, sparsam in die Handlung eingewoben, auch der Feder des Autors entsprungene Liebeleien, es gibt die Dorfschlampen, die Wahrsagerin, die Pilgerinnen oder das französische Mündel im Haus des Dorfarztes. Aber Hauptdarsteller im strengen Sinn gibt es nicht.



Quelle: Ostfriesische Nachrichten / Online-Ausgabe vom Freitag, 28.10.2011 - 22:00 Uhr

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